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Herma Bauma: Für den Sport gelebt

Am 31. Juli 1948 sahen 82.000 Menschen bei den olympischen Leichtathletikbewerben im Londoner Wembley Stadion zu.

 

Es war unruhig im Oval. Der legendäre Emil Zatopek bestritt soeben sein Qualifikationsrennen über 5.000 Meter.

 

Österreichs aussichtsreichste Speerwerferin Herma Bauma lag in ihrem Bewerb nach vier Versuchen an zweiter Stellte.

 

Die 33-jährige Wienerin hatte sich nur knapp für die Spiele qualifizieren können, denn im Frühjahr war sie wegen einer Mandeloperation mit Blutvergiftung im Spital gelegen und konnte wochenlang nicht trainieren.

 

Ein historischer Moment

 

Im fünften Durchgang wartete sie auf einen ruhigen Moment, beschleunigte ihre Schritte und warf den Speer ab. Er beschrieb in der Luft eine Parabel, an deren Ende die olympische Rekordweite von 149 feet, 6 inches oder 45,57 Meter gemessen wurde.

 

Das war der Olympiasieg. Es sind keine Triumphgesten überliefert, kein nach Außen gekehrtes Sieger-Ich, kein hochgestreckter Arm. Das hat sie unterm Hitler sicher oft genug gemacht, den Arm hochstrecken.

 

Nach dem Erfolg freute sie sich am meisten über die Geschenke ihrer Sportkolleginnen – ein Stückerl Schokolade, ein paar Zuckerln, ein paar Blumen: „Das hat mich derartig gerührt, dass das für mich mehr beeindruckend war, als alles andere.“

 

Sechs Wochen später warf sie im vollbesetzten Praterstadion, das heute Ernst Happel heißt, den Speer auf die Weltrekordweite von 48,63 Meter. Sportlich war sie am Höhepunkt.

 

Erfolge pflastern ihren Weg

 

Hermine Leopoldine „Herma“ Bauma wäre am 23. Jänner hundert Jahre alt geworden. Die Wienerin hat den bis heute einzigen österreichischen Leichtathletik-Olympiasieg errungen.

 

Zu ihrer Laufbahn gehören zwei weitere Olympiateilnahmen (4. und 9. Platz), zwei Europarekorde, Silber bei den Frauenweltspielen 1934 und den Europameisterschaften 1950, Silber bei den Weltmeisterschaften 1949 im Feldhandball, 15 österreichische Meistertitel im Speerwurf, drei im Fünfkampf und ein Deutscher Meistertitel im Speerwurf 1942.

 

Ältere kennen sie noch gut, Jüngere praktisch gar nicht. Die Präsenz von Herma Bauma im öffentlichen Gedächtnis ist klein geworden. Dennoch kann die Wirkung der im Jahr 2003 Verstorbenen nicht hoch genug geschätzt werden.

 

Als Jahrhundertsportlerin, als Frau, die sich über Konventionen hinwegsetzte und Karriere gemacht hat und als Impulsgeberin für den mentalen Wiederaufbau nach 1945. Hinterlassen hat sie auch eine wechselhafte, bisher weitgehend unbekannte politische Biografie.

 

Autoritätsperson für Sportlerinnen

 

Herma Bauma war ein Idol der Nachkriegszeit. Eine, die als Tochter eines Ottakringer Straßenbahners aus einfachen Umständen heraus Erfolg hatte. „Sie war ein rechtes ‚Buamermadel‘, und kein Spiel war ihr wild genug“, heißt es in einem 1948 geschriebenen Büchlein über ihre Kindheit.

 

Unter Sportlerinnen galt sie als „ein bissl eine Autoritätsperson“, wie Elfriede Reichert (Steurer), Olympiateilnehmerin 1948 und 1952, erzählt. Bauma kümmerte sich als Kapitänin um Probleme und Problemchen ihrer Kolleginnen. „Chefin“ oder „Mama“ haben einige sie genannt.

 

Ihre Haare trug sie schulterlang, sie hatte ein freundliches Gesicht. Manch goldenem Wienerherz war ihre Erscheinung nicht weiblich genug. Zitate dazu kann man sich denken. Sie lebte mit einer Freundin zusammen, Alice Kaufmann, eine Handballspielerin, Widerstandskämpferin und Journalistin: „Da ist getuschelt worden“, erzählt Olympiasportlerin Reichert aus den 1940er und 1950er Jahren.

 

Durch die Turnlehrerin zum Sport gekommen

 

Herma Bauma, geboren 1915, war ein Kind des Ersten Weltkrieges. Ihre Mutter Hermine Bauma versuchte mit Heimarbeit Geld zu verdienen. Der Vater Franz Bauma war bald „beim Militär in Gefangenschaft“, wie in den Meldeunterlagen des Jahres 1919 für die damalige Familienwohnung in der Landsteinergasse 12 vermerkt ist.

 

Herma Bauma absolvierte vier Jahre Volksschule, besuchte sechs Jahre das Gymnasium Maroltingergasse und danach zwei Jahre eine private Handelsschule, weil die Eltern meinten, sie müsse Geld verdienen anstatt die Matura zu machen.

 

Ihre Turnlehrerin Friederike Ceranke brachte sie zum Verein WAF. Nach nur einem Monat Training wurde Bauma 1931, mit 16 Jahren, erstmals Staatsmeisterin im Speerwurf und erzielte ihren ersten von insgesamt 18 österreichischen Rekorden. 14 waren es im Speerwurf, vier im Mehrkampf. Bald wurde sie auch im [Handballteam] zur Spitzenspielerin. Alles Amateursport selbstverständlich, ohne Verdienst.

 

Das Umfeld, in dem sie aufwuchs, war alles andere als privilegiert. Zum Training ging sie zu Fuß von Ottakring in den Prater, weil die Straßenbahnfahrt zu teuer war. Arbeit war schwer zu finden. Im April 1946 kam ihr Vater bei einem Straßenbahnunfall ums Leben. 

 

1948 war ein Schlüsseljahr

 

1948 wurde Herma Baumas Schlüsseljahr. Auch für das junge Österreich waren die Ereignisse mehr als markant. „Der Beitrag des Sports zur Entstehung eines österreichischen Nationsbewusstseins kann gar nicht überschätzt werden“, sagt der Historiker Matthias Marschik.

 

Ein Gedanke, der auch für die bevorstehenden Jubiläen zu 70 Jahre Kriegsende und 60 Jahre Staatsvertrag ergiebig ist. Als Herma Bauma mit der Goldmedaille aus London am Wiener Westbahnhof ankam, „gab es kein Halten mehr“, wie der „Wiener Kurier“ berichtete.

 

Sie wurde von „Sportenthusiasten im Triumph auf den Schultern durch die Menge getragen. Nur schwer konnten sich die Offiziellen“, darunter ÖOC-Präsident Josef Gerö, der als Justizminister auch für die Entnazifizierung zuständig war, „einen Weg zu den Athletinnen bahnen.“

 

Allein die Einladung zur Olympia-Teilnahme hatte hohen Symbolwert. Anders als Deutschland war das von den Alliierten befreite Österreich bei den Olympischen Spielen 1948 in St. Moritz und London bereits teilnahmeberechtigt.

 

„Die Welt hatte Österreich die Hand gereicht. ‚Schlag ein, Austria! Willkommen!‘ Und Österreich schlug ein“, berichtete der Sportjournalist Martin Maier mit politischer Konnotation von der Eröffnungszeremonie der Winterspiele 1948 in St. Moritz.

 

Kulminationspunkt der Identitätsbildung

 

Nur Josef „Bubi“ Bradl, der erste 100-Meter-Skispringer, wurde nach einem Protest Norwegens wegen seiner SA-Mitgliedschaft ein Start verweigert. Die ehemalige „Ostmark“ entkam auf der sportlichen Bühne ohne langes Nachdenken der Quarantäne. Kurz nach 1945 brauchte Österreich Symbole, emotionale Gemeinsamkeiten und Erfolge. All das bot der Sport.

 

Kulminationspunkt der Identitätsbildung in den ersten Jahren nach Kriegsende waren die Olympia-Auftritte 1948. Erfolgreich waren vor allem die Frauen. Gold durch die Vorarlbergerin Trude Jochum-Beiser in der Alpinen Kombination und durch die Wienerin Herma Bauma im Speerwurf bedeuteten: Wir sind wieder da. Wir brauchen uns nicht verstecken. Wir können was erreichen.

 

In Herma Baumas langer Karriere, die 1931 begonnen hat und zwei Jahrzehnte später schrittweise in die Sportadministration überging, flog ihr Speer niemals durch einen politikfreien Raum. Politik spielte mehrfach eine Rolle in Herma Baumas Leben. Vieles davon war bis zu einer [Veröffentlichung] des Historikers Manfred Mugrauer im Dezember 2014 unbekannt („Steht vollkommen auf unserer Seite …“, Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft, Nr. 4/14).

 

Es erzählt viel über eine Person, die versucht, sich selbst zu schützen und eine Lebensgrundlage zu schaffen, wie über die Verquickung von Sport und Politik in unterschiedlichsten ideologischen Systemen.

 

Platz 4 und die Kündigung

 

Eine Episode aus dem Austrofaschismus: Bereits vor den Olympischen Spielen 1936 von Berlin galt die damals 21-jährige Herma Bauma als Medaillenkandidatin, hatte sie doch im Juni und Juli jeweils den Europarekord verbessert. Die wirtschaftliche und die politische Lage waren gleichermaßen trist.

 

Bauma hatte eine Stelle als Nachtkellnerin gefunden. Arbeitszeiten von 16 bis 4 Uhr in der „Altdeutschen Weinstube“ im ersten Bezirk, sechs Tage die Woche. Eine Beschäftigung beim Österreichischen Gewerbebund, einer Teilorganisation der „Vaterländischen Front“, sollte ihr die Olympiavorbereitung erleichtern. Verlängert würde ihr Vertrag jedoch nur bei einem olympischen Erfolg.

 

Von einer Ellbogenverletzung behindert erreichte sie bei den Nazi-Spielen im Berliner Olympiastadion den vierten Platz. Nur 14 Zentimeter haben auf Bronze gefehlt. Das war zu wenig. Als sie wieder in Wien ankam, lag der Brief mit der Kündigung bereit.

 

„Während also andre Olympiakämpfer befördert wurden, wurde Fräulein Bauma hinausbefördert“, vermerkte das [Sport-Tagblatt] am 25. August 1936 empört. Ernst Rüdiger Starhemberg, ehemaliger Heimwehrchef und damals „Oberster Sportführer“, reagierte auf den medialen Druck. Er hat „telegraphisch verfügt, daß Fräulein Bauma sofort in einem der Sekretariate seiner Besitzungen anzustellen sei“, wie es drei Tage danach hieß.

 

Bauma selbst nannte dies später eine „Übergangsscheinarbeit“. Im Prinzip konnte sie sich dem Training widmen. Aufgrund von Schmerzen verzichtete sie für längere Zeit auf das Speerwerfen, war aber weiter im Handball des Frauensportverein „Danubia“ aktiv. Ende 1937 erhielt sie auf Vermittlung des Österreichischen Leichtathletik-Verbandes eine Arbeitsstelle im Magistrat der Stadt Wien.

 

Es folgten die Jahre 1938 bis 1945, zu denen es für den österreichischen Sport nur wenige Untersuchungen gibt. In der NS-Zeit hatte der Sport eine große Aufwertung erfahren. Es ging um die Demonstration deutscher Überlegenheit, Ideologievermittlung, Ablenkung, Kriegsvorbereitung und die scheinbare Aufrechterhaltung von Normalität auch während der Kriegsjahre.

 

In Schulen, Betrieben, diversen NS-Verbänden und bei öffentlichen Veranstaltungen wurde der Sport gefördert. Die aktive Sportpolitik der NS-Zeit dürfte in den ersten Jahren nach 1945 indirekt zu sportlichen Erfolgen Österreichs beigetragen haben.

 

Herma Bauma wurde bereits im März 1938, kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich, Mitglied im BDM (Bund Deutscher Mädel). Ab Ende 1942 war sie als „hauptamtliche Sportreferentin“ in der Wiener Gebietsführung der Hitler-Jugend tätig, wo sie die leistungsmäßig besten Mädchen Wiens trainieren sollte.

 

Im Oktober 1943 wurde sie für eine Sportlehrerausbildung am Hochschulinstitut für Leibesübungen in der Sensengasse freigestellt. Sie absolvierte die zwei Semester unter anderem mit Fritzi Schwingl, der Bronzemedaillengewinnerin von London 1948 im Kanu. Gemeinsam mit der Beurlaubung für den Sportkurs sei Bauma automatisch als Parteimitglied der NSDAP vorgeschlagen worden.

 

Schwere Einschnitte während der NS-Zeit

 

Die „Gauakte“ im Österreichischen Staatsarchiv führt Herma Bauma als Parteigenossin seit 1. November 1943 mit der Mitgliedsnummer 9,640.467. Sie selbst schrieb 1945 an die Registrierungsstelle für Nationalsozialisten, dass sie nur „Anwärterin“ auf eine NSDAP-Mitgliedschaft gewesen sei und niemals einen Ausweis oder eine Nummer erhalten habe. Persönlich brachte ihr die NS-Zeit schwere Einschnitte.

 

Ihr zwei Jahre älterer Bruder wie auch der Mann ihrer jüngeren Schwester sind „im Krieg geblieben“. Im August 1944 schloss sie ihr Sportlehrerexamen erfolgreich ab. Danach wurde sie „dienstverpflichtet“, mit einer Kinderlandverschickung nach Bayreuth zu gehen, wo sie bis Kriegsende blieb und via Stadl-Paura nach Wien zurückkehrte.

 

Die Sprache der Archive drückt eine deutliche Nähe zu Institutionen des Nationalsozialismus aus. Wie ihre innere Haltung aussah, ob sie als erfolgreiche Sportlerin vereinnahmt oder unter Druck gesetzt wurde, sich aus Opportunismus angepasst hat oder unbemerkt Akte des Widerstands setzte, bleibt offen. Tatsächlich engagiert hat sie sich später in einer politisch ganz anderen Richtung.

 

Und dann war da Alice Kaufmann. Ihre vier Jahre jüngere „jahrzehntelange Wegbegleiterin“, wie Heinz Fahnler in der Wiener Zeitung schrieb. Eine Freundin „für die Seele“, wie Eva Janko, Olympiabronzemedaillengewinnerin 1968 im Speerwurf, sagt. Es war in engeren Sportkreisen bekannt, dass Kaufmann und Bauma zusammenlebten. Niemand machte ein großes Thema daraus.

 

„Zum Heiraten habe ich nie Zeit gefunden“, hieß es bei Bauma lakonisch. Beide waren Handballspielerinnen und dürften sich schon vor dem Zweiten Weltkrieg gekannt haben. Ihre Wege gingen zunächst in völlig konträre Richtungen. Kaufmann gelang 1939 die Flucht aus Wien zu ihrem Bruder nach Frankreich, nachdem ihr Mann von den Nazis ermordet wurde.

 

Sie schloss sich der Résistance an und war unter dem Decknamen Renée Alix in Lyon im Kampf gegen das Nazi-Regime aktiv. Ihre Erinnerungen hat sie 1987 im Buch „Klaus Barbie. Dem Schlächter von Lyon entkommen“ veröffentlicht. Zurück in Wien soll sie 1945 gemeinsam mit Herma Bauma die Kantine am Helfort-Platz in Ottakring betrieben haben, wo der spätere SPÖ-Bundespräsident Adolf Schärf Vereinsobmann war.

 

Kaufmann war als Torfrau und Funktionärin im Handballsport engagiert. „Sie war eine „Resche“. Die Spielerinnen hatten etwas Angst vor ihr. Man musste sie näher kennen“, erzählt Elisabeth Wildner, die Nichte von Herma Bauma. Kaufmann veranstaltete Hallenhandball-Turniere und war Sportjournalistin, bis 1953 beim kommunistischen „Abend“, danach als Ressortleiterin beim Boulevardblatt „Express“, später in der „Wiener Zeitung“.

 

Beide, Kaufmann und Bauma, waren Sportfanatikerinnen. Liefen Sportübertragungen im Radio oder Fernsehen, war es angeraten, sie nicht zu stören. Bei Fußballspielen der Wiener Austria schlugen die Herzen höher. Handballspielerin Martha Ocwirk, die Frau von Austria-Legende Ernst Ocwirk, war eine gute Freundin von ihnen. Alice Kaufmann ist 2002 verstorben.

 

Politisch exponiert hat sich Herma Bauma in einer vergleichsweise kurzen Zeitspanne, etwa zwischen 1948 und 1952, im Umfeld der KPÖ. Gut möglich, dass ihre Freundschaft zu Alice Kaufmann dabei eine Rolle gespielt hat. Zwei Tage vor ihrer Abreise zu den Olympischen Spielen von London fixierte Bauma einen Arbeitsvertrag als Stenotypistin bei der „Volksstimme“.

 

Über ihren Olympiasieg berichtete sie danach exklusiv in einer fünfteiligen Serie in der kommunistischen Zeitschrift „Woche“ und schrieb für weitere kommunistische Medien. Nähe zur KPÖ zeigte auch ihr Engagement in der Friedensbewegung. 1950 wurde sie in den „Österreichischen Friedensrat“ gewählt.

 

Sportpolitisch war Herma Bauma bei der Gründung des ASVÖ (Allgemeiner Sportverband Österreichs) aktiv. Nachdem mit „ASKÖ“ und „Union“ bereits zwei politisch deklarierte Sport-Dachverbände in Rot und Schwarz geschaffen worden waren, forcierte die KPÖ ab 1948 die Etablierung eines unabhängigen Dachverbands. Mehrere KPÖ-Mitglieder waren bei der Gründung 1949 im Vorstand vertreten.

 

Herma Bauma als der Partei nahestehende Sportlerin war erste Frauenreferentin des ASVÖ. Zunehmend traten auch Vereine mit deutschnationaler Tradition dem Verband bei. 1952 kam es zum Eklat, und Bauma wurde wegen ihres Friedensengagements aus dem Wiener Landesverband des ASVÖ ausgeschlossen.

 

Vor den Olympischen Spielen von Helsinki 1952 entstand eine Kontroverse mit dem Österreichischen Leichtathletik-Verband. Der ÖLV strich Bauma, die von 1949 bis Jänner 1952 Vizepräsidentin des Verbandes war, im Juni dieses Jahres aus dem Olympiakader. Das ÖOC nominierte sie jedoch als Betreuerin der Frauendelegation. Sie trat schließlich zum dritten Mal nach 1936 und 1948 bei Olympischen Spielen an und holte den neunten Platz. Etwa um diese Zeit endet auch ihr sportpolitisches Auftreten in der Öffentlichkeit.

 

Hauptberuflich war Herma Bauma seit November 1948 im Unterrichtsministerium angestellt. Als Dank für ihren Olympiasieg hatte sie eine Stelle in der Sportabteilung erhalten. Sie war für die Finanzen der Bundessportheime zuständig und arbeitete bei der damaligen „Sporthilfe“ sowie im Sportzentrum Blattgasse.

 

Vom Spatenstich am 28. September 1971 bis zu ihrer Pensionierung 1977 leitete sie das neu geschaffene Bundessportzentrum Südstadt, für eine Frau eine unübliche Führungsposition. Stets war sie damit eng einer neuen Athletengeneration verbunden, beispielsweise Hochsprung-Weltrekordlerin Ilona Gusenbauer.

 

„Sie ist mit allen amikal umgegangen und hat nicht hervorgestrichen, wer der Chef ist“, sagte Eva Janko, die von Bauma als Mitarbeiterin in die Südstadt geholt worden war. Baumas Abgang gestaltete sich äußerst unschön. Bei der Rückkehr vom Urlaub sei plötzlich ein anderer Mitarbeiter an ihrem Schreibtisch gesessen, berichtet ihre Nichte Elisabeth Wildner. Sie wurde ins „Haus des Sports“ nach Wien in die Prinz-Eugen-Straße zurückbeordert und „in ein Kammerl gesetzt“, wie Janko erzählt.

 

Bauma stellte den Antrag auf Pensionierung. „Sie war sehr geknickt. Dieses Ende ist ihr nahe gegangen“, erinnert sich Baumas Nichte. Es hieß, das Sportzentrum Südstadt würde nach Herma Bauma benannt, was jedoch versandet ist. Was es an der nunmehrigen Adresse Liese-Prokop-Platz 1 jetzt gibt, ist ein in die Jahre gekommenes Erinnerungsschild neben einer Mülltonne beim Abgang zur Laufbahn und einen „Ehrenbaum“, auf dem auch Herma Baumas Name vermerkt ist.

 

Der Glanz von Herma Baumas Ehrungen gleicht ihren sportlichen Erfolgen. 1984 erhielt sie den Olympischen Orden vom IOC und 1996 das Große Ehrenzeichen der Republik Österreich. Bei der Wahl zu „Österreichs Sportlerin des Jahrhunderts“ reihten die Journalisten sie 1999 auf den zweiten Platz hinter Skirennläuferin Annemarie Moser-Pröll.

 

Bis zum Schluss hat Herma Bauma Autogrammanfragen erhalten, die sie immer beantwortete. Sie verfolgte täglich das Sportgeschehen. Ging gerne campen und in die Natur. Kultivierte am Balkon mit grünem Daumen ihre Pflanzen. Noch im Alter von 87 Jahren war sie selbst mit dem Auto unterwegs, bis zum Tod ihrer Freundin Alice Kaufmann im Februar 2002. „Hier sind meine Autoschlüssel“, sagte sie an diesem Tag zu ihrer Nichte, „ab heute fahre ich nicht mehr.“

 

Im Sommer dieses Jahres erlitt Herma Bauma in ihrer Wohnung in Alterlaa einen Schlaganfall. Just an jenem Tag, an dem sie in Linz den ÖLV-Ehrenring erhalten hätte sollen. ÖLV-Präsident Hans Gloggnitzer und ÖLV-Generalsekretär Roland Gusenbauer holten die Ehrung später bei einem Besuch im Krankenhaus nach. Ellen Müller-Preis, die Fecht-Olympiasiegerin von Los Angeles 1932, besuchte sie danach im Pflegeheim.

 

Herma Bauma ist am 9. Februar 2003 gestorben. Die Stadt Wien beschied ihr ein Ehrengrab am Südwestfriedhof und benannte eine Straße im 3. Bezirk neben dem Österreichischen Staatsarchiv nach ihr. „Olympia-Siegerin in Speerwurf 1948“ steht sprachlich nicht ganz treffsicher auf dem erklärenden Schild. Zu ihrem 85. Geburtstag hatte sie gesagt: „Ich hab nur für den Sport gelebt.“

 

 

Andreas Maier | ÖLV

 

 

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