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Goldener Abend in Rom

Mittwoch, 12. Juni 2024 / Paris 2024
 

Als Nummer eins der Rangliste war Victoria Hudson nach Rom gereist, als Nummer eins reist sie auch wieder ab und darf sich zusätzlich Europameisterin nennen. Kurz nach der sehr emotionalen Siegerehrung blicken wir noch einmal auf den goldenen Abend der Niederösterreicherin zurück.

Die frühen Jahre

Die in der ÖLV-Datenbank vermerkte Wettkampf-Statistik von Victoria Hudson (SVS LA) startete bereits im Jahr 2009, wo die nun 28-Jährige auf Anhieb den österreichischen U14-Mehrkampfmeistertitel gewinnen konnte. Auch dort war das besonderen Wurftalent im Rückblick bereits erkennbar, warf sie den Vortex doch gleich 62,36 m weit. Eine Weite, die danach nur von zwei Athletinnen übertroffen und sonst nur von sehr guten männlichen Athleten derselben Altersklasse erreicht wurde.

Internationaler Start

Die internationale Karriere der Hainburgerin startete im Jahr 2013 bei den U18-Weltmeisterschaften in Donetsk (UKR), wo sie mit 44,53 m Platz 30 im Speerwurf belegte. Auch damals lautete der Trainer bereits Gregor Högler. Danach trennten sich die Wege der beiden und die Niederösterreicherin trainierte unter Elisabeth Eberl in den kommenden Jahren weiter. Im Jahr 2015 gelang bei der U20-EM in Eskilstuna (SWE) der erste Einzug ins Finale, wo mit 52,68m Platz 7 gelang. Bei der Universiade in Napoli (ITA) gelang im Jahr 2019 wieder Platz 7 im Finale mit 56,80m und später Platz 33 bei ihrer ersten WM in Doha (QAT).

Olympia-Premiere in Tokio

Bei ihren ersten Olympischen Spielen in Tokio schied Victoria Hudson in der Qualifikation aus und belegte mit 58,60 m Platz 22. Im darauffolgenden Jahr gab es mit Platz 2 im Winterwurf Europacup in Leiria (POR) und später Platz 10 im EM-Finale in München (GER) tolle Erfolge. Nach der Saison ging Trainerin Elisabeth Eberl in Karenz und die Niederösterreicherin wechselte kurzfristig ins Ausland nach Tschechien. Danach begann die nun so erfolgreiche Zusammenarbeit mit Dipl. Ing. Gregor Högler und dem ganzen Betreuer-Team, welches mit Lukas Weißhaidinger bereits sehr erfolgreich war. Nach einer Bronzemedaille bei den European Games in Chorzow (POL) mit 60,27m und dem fünften Platz bei der WM in Budapest (HUN) mit 62,92m folgte nun die vorläufige Krönung mit dem Europameistertitel in Rom (ITA) mit 64,62m, die gleich im ersten Versuch geworfen wurden. Die komplette Serie im Finale lautete: 64,62m / 60,35m / x / 61,75m / 62,74m / 59,55m - ab dem ersten Versuch auf Platz 1

(Foto: © ÖLV / @wolf.amri )
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Bereits mit dem ersten Versuch setzte sich die Niederösterreicherin und Jahresbeste in Europa gleich an die Spitze des Feldes und schockte die Konkurrenz damit sichtlich. In Runde drei wurde es aber nochmal spannend. Die schlussendlich Zweitplatzierte Adriana Vilagos (SRB) kam mit neuem serbischen Landesrekord bis auf 20 cm heran und belegte mit 64,42 m Rang zwei.

Ebenso im dritten Versuch erreichte die Bronzemedaillen-Gewinnerin Marie-Therese Obst (NOR) neue persönliche Bestleistung mit 63,50m. Danach änderten sich die Positionen der Medaillengewinnerinnen nicht mehr und der bisher größte Erfolg für Victoria Hudson war vor den Augen ihres großen Fanclubs damit fixiert. Das interne Ziel des ganzen Teams, mit zwei Athleten in unterschiedlichen Disziplinen, mit zwei Geschlechtern zwei Medaillen zu holen, wurde erreicht.

Nach Gold für Liese Prokop (Fünfkampf/1969) und Ilona Gusenbauer (Hochsprung/1971) war dies nun die dritte Goldmedaille für österreichische Leichtathleten bei Freiluft-Europameisterschaften.

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(Instagram)

"Nur zwei Stunden geschlafen"

Victoria Hudson: “Es ist wie ein wahr gewordener Traum. Ich habe es mittlerweile schon ein  bisschen realisiert. Die Siegerehrung war wieder extrem emotional und voll schön. Ich habe meine Leute in der Menge gesehen und war in dem Moment sehr glücklich. Jetzt habe ich die Medaille um den Hals hängen, es könnte gerade nicht besser sein. Gestern Abend sind wir danach noch ein bisschen mit dem Team zusammengesessen und haben etwas getrunken und gegessen. Wir haben es uns gut gehen lassen und ich habe die Seele baumeln lassen. Wir haben auch Revue passieren lassen, was in den letzten Jahren alles passiert ist und wie viel an Arbeit in dieser Medaille steckt. Ich habe nur zirka zwei Stunden geschlafen, aber es ist alles okay, ich habe ja heute keinen Wettkampf mehr. Den Schlaf kann ich jetzt nachholen, jetzt habe ich ein paar Tage Ruhe und dann geht es weiter mit dem Training."

Zum Wettkampf sagt sie: "Der ist schwierig zu analysieren. Die Würfe waren alle überraschend weit in Anbetracht wie die Speere geflogen sind. Ich habe alle nicht so ganz erwischt, wie ich es gerne gehabt hätte. Das ist natürlich auch positiv, weil das gibt Motivation, dass für Paris noch einiges drinnen ist. Aber ich muss noch ein bisschen mit Gregor besprechen, wie wir das genau einordnen. Irgendwas muss aber richtig gut gewesen sein, sonst fliegt der Speer keine 64m weit. Somit kann man schon sehr zufrieden sein. Es haben schon einige große Kaliber gefehlt, weltweit gibt es schon noch mehr starke Konkurrentinnen, die auch sehr weit werfen können. Ich kann da aber auch mithalten, das weiß ich. Ich bin ja momentan Nummer zwei der Welt, das gibt mir viel Selbstvertrauen. Ich finde es richtig cool, dass ich das gestern so auf den Punkt bringen konnte und die Führung in der Bestenliste auch umsetzen konnte und jetzt mit der Medaille da stehe."

Und zur Entwicklung in den letzten Jahren: "Da steckt extrem viel Arbeit auf extrem hohem Niveau drin. Wir gehen in jedes Detail hinein und versuchen an den ganz kleinen Sachen zu arbeiten, die in Summe ein riesiges Bild ergeben, wo dann auch viel richtig ist. Das haben wir in den letzten zwei Jahren sehr gut hinbekommen. Wir sind sicher noch nicht am Ziel, aber wir haben einfach super zusammen gearbeitet. Ich bin extrem stolz auf das gesamte Team, dass ich jetzt mit der Medaille da stehen kann, ist eine Belohnung für alle, die daran mitarbeiten. Bei den olympischen Spielen möchte ich natürlich auch wieder meine Position, wie sie am Papier steht, abrufen können. Aber wir wissen alle, dass das nicht ganz leicht ist. Mit der Medaille um den Hals kann ich schon sehr stark an mich glauben und mich in Paris voll auf den Wettkampf einlassen. Wichtig ist es weiter verletzungsfrei und gesund zu bleiben, damit wir genauso weiter arbeiten können.”

"Es wird spannend in Paris"

Trainer Gregor Högler: “Man hört es an meiner Stimme, ich habe extrem viel schreien müssen und es war schön. Ich habe mich natürlich extrem gefreut. Zwei Medaillen war das Ziel, aber es kann so viel dazwischen kommen. Ich habe mir gedacht, dass beide eine Medaille machen können, aber dass es Gold und Silber wird, hätte nicht gedacht. Vicky ist jetzt wirklich eine große Athletin und hat sich die Goldene geholt, einfach wie wenn es nichts anderes gäbe. Sie hat auch mit Abstand die beste Serie geworfen und war die Beste an diesem Tag. Es ist schön, wenn nach kurzer Zusammenarbeit das schon so gut funktioniert. Wir haben noch viele Sachen, die wir verbessern können, aber sie ist jetzt schon die Beste in Europa und es wird natürlich spannend in Paris."

Über den Weg zu EM-Gold sagt Högler: "Vor allem ihr Mindset hat sich geändert. Sie traut sich jetzt zu, was sie im Training kann, auch im Wettkampf zu zeigen. Natürlich hat sich auch die Technik verbessert, aber wenn jemand gut im Training wirft und wenn man stärker wird, dann braucht man keinen Psychologen. Wir sind als Trainer die Psychologen, weil wir den ganzen Tag mit ihr zusammenarbeiten. Ich bin hundertprozentig überzeugt, dass sie das kann, da braucht man ihr nichts einreden. Wenn man oft genug über das spricht, dann kommt das nach zwei Jahren auch an. In Richtung Olympia mache ich ihr sicher keinen Druck. Sie ist jetzt die Beste in Europa. Jeder Erfolg macht einen stärker. Ich sehe es gerne einfach. Der Speer wird 600 g haben, wir haben alle denselben Anlauf und lasst uns sehen, wer dann besser wirft. Ich weiß, dass Vicky das auch nochmal kann, vielleicht sogar noch besser. Sie ist jetzt in der Welt auf Rang zwei, natürlich ist wieder die Medaille das Ziel. Aber die anderen haben auch sehr gute Athletinnen und bei Olympia sind 205 Nationen am Start. Wir sind die Kernsportart in der Welt, wir haben die meisten Gegner. Das darf man nie vergessen."

Und Högler bedankt sich: "Ich möchte auch alle im Team nennen mit Freddy (Anm.: Physio), Patricia (Anm.: Masseurin), Benjamin (Anm.: Co-Trainer), mein Bruder Richard (Anm.: Arzt), Wolfgang für die Medienarbeit und auch ganz besonders den Verband. Wir haben das als Best-Practice von Luki für Vicky übernommen und man sieht, man kann das auf alles anwenden. Jetzt sind wir Europameister und wir sind überglücklich.”

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