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Der Härtetest

Dienstag, 1. Dezember 2020 / Tokio 2020

2021 stehen drei Olympia-Events innerhalb eines halben Jahres am Programm. Geht das? Trotz Corona-Pandemie? ÖOC-Präsident Karl Stoss und Generalsekretär Peter Mennel im aktuellen Olympia Report-Doppelinterview.

Olympia Report: Glauben Sie an die Olympischen Spiele 2021?

Karl Stoss: Ende Oktober haben die japanischen Veranstalter ein Webinar für alle teilnehmenden Nationen abgehalten. Der Grundtenor war klar: Wir wollen und werden die Olympischen Spiele unter den neuen Corona-Bedingungen durchführen. Erstens sind wir es den Athletinnen und Athleten schuldig, alles zu versuchen, um diese Spiele zu ermöglichen. Und zweitens fließen die Einnahmen (TV/Rechtevergabe, Sponsoring) zu 90 Prozent in den organisierten Sport zurück, das heißt an Athletinnen und Athleten, an internationale Sport-Fachverbände, Nationale Olympische Komitees und so weiter. Von den Organisatoren ganz zu schweigen – für sie wäre die endgültige Absage ein „Worst Case“-Szenario. Allein die Durchführungskosten (ausnahmslos privat finanziert) betragen 6,2 Milliarden Euro.

Peter Mennel: Wir beginnen uns langsam an die Welt der Tennis-, Basketball- und Fußball-Bubbles zu gewöhnen. Aber Olympia ist größer und komplexer – mit 33 Sportarten, 42 Wettkampfstätten und bis zu 30.000 Personen im Olympischen Dorf. Für diese Personen muss Gesundheit und Sicherheit oberste Priorität haben.

Laufen die Vorbereitungen im ÖOC für Tokio auf Hochtouren oder gibt es noch zu viele Unsicherheiten, um wirklich planen zu können?

Mennel: Dem ÖOC geht’s da wie den Athletinnen und Athleten: Zögern gibt’s nicht, wir glauben zu 100 Prozent daran, dass die Spiele stattfinden werden. Wir haben Hunderte Flüge umgebucht und Quartiere neu organisiert. Auch beim Austria House haben wir Verhandlungsgeschick bewiesen, konnten im Gegensatz zu anderen Nationalen Olympischen Komitees Verluste aus bereits getätigten Mietzahlungen vermeiden.

Wie steht es um die Qualifikationsprozesse und Quotenplätze?

Stoss: Derzeit haben wir 38 Quotenplätze fix. Wir rechnen mit rund 70 Aktiven. Im Judo ist die Qualifikationsphase im Oktober angelaufen, in der Leichtathletik geht’s im Dezember weiter.

Wann werden ausländische Athletinnen und Athleten wieder zu Test-Wettkämpfen oder Trainingsaufenthalten nach Tokio reisen können?

Mennel: Im Frühjahr sollten Trainingsaufenthalte und Test-Wettkämpfe wieder möglich sein. Auf genaue Terminangaben warten wir aber noch.

Durch die Olympia-Verschiebung wird es erstmals Olympische Spiele in einem ungeraden Jahr geben und sechs Monate danach gleich Winterspiele in Peking. Wie schwierig ist es konkret, diese zwei Großveranstaltungen innerhalb so kurzer Zeit abzuwickeln?

Stoss: Es stehen im Dezember 2021 auch noch Europäische Olympische Jugend-Winterspiele im finnischen Vuokatti auf dem Programm. Das bedeutet wir müssen drei Olympia-Events innerhalb eines halben Jahres stemmen.

Mennel: Natürlich stellt uns die aktuelle Situation vor große Herausforderungen. Dankenswerterweise konnten wir die komplette Tokio-Ausstattung beim Bundesheer einlagern. In Verhandlungen mit den Ausstattern ist es uns gelungen – nicht zuletzt aufgrund der ausgezeichneten Kooperation in der Vergangenheit –, eine Vertragsverlängerung für die Europäischen Olympischen Jugend-Winterspiele in Vuokatti 2021 und für die Olympischen Winterspiele in Peking 2022 zu erreichen, das betrifft unter anderem auch Millet. Dabei hatte es im Frühjahr nicht danach ausgesehen. Drei Großereignisse innerhalb von sechs Monaten werden zu bewältigen sein – unter der Voraussetzung, dass sich alle Beteiligten gegenseitig unterstützen. Dass das ÖOC solche Aufgaben stemmen kann, haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Vergangenheit wiederholt bewiesen. Für diese Leistungen gebührt ihnen zum einen ein großes Dankeschön, zum anderen geben uns diese Erfahrungen die Sicherheit, dass wir es auch diesmal hinkriegen.

Ein anderes Thema: Dem ÖOC steht am grünen Tisch Medaillenzuwachs bevor: Die ÖSV-Biathlon-Staffel von Sotschi 2014 könnte durch die Ustjugow-Doping-Verurteilung Olympia-Silber erben. Wann erwarten Sie eine finale Entscheidung?

Stoss: Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, erst danach treten IBU und IOC in Aktion. Das kann noch gut ein Jahr dauern. Für Österreich winken in der Causa Ustjugow zwei Medaillen. Christoph Sumann würde neben der Sotschi-Staffel auch Einzel-Bronze von 2010 erben. Der Steirer belegte in Vancouver im Massenstart-Bewerb Platz 4. Der Sieger hieß Ustjugow.

Die zweifache Goldmedaillengewinnerin der Olympischen Jugendspiele in Lausanne, Lisa Hirner, wurde für den Piotr-Nurowski-Preis für Europas beste Nachwuchs-SportlerInnen nominiert. Wie wichtig ist so eine Auszeichnung?

Mennel: Je mehr Aufmerksamkeit der Nachwuchs genießt, desto besser: Lisa Hirner, Nordische Kombiniererin, ist seit 2011 die bereits vierte Österreicherin, die fürs Finale nominiert wurde. 2012 war Marco Schwarz unter den Top 5. Mittlerweile hat der Kärntner längst WM- und Olympia-Medaillen gewonnen.

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