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 ARTIKEL VOM 02.11.2023

"Die Besten sollen fahren"

Anna Kiesenhofer ist zurück. Obwohl sie eigentlich nie weg war. Beim ÖOC-Trainingslager in Belek (TUR) tritt die Olympiasiegerin derzeit wieder im Zeichen der fünf Ringe auf, Erinnerungen an den Triumph in Tokio werden unwillkürlich wach. Seit dem Gold-Coup hat sich bei der 32-Jährigen einiges getan, eines bleibt jedoch gleich: Kiesenhofer arbeitet akribisch am Erfolg. 

Nach den Olympischen Spielen in Tokio zog sich die Mathematikerin zurück. Termine, Interviews und Auftritte gingen an die Substanz. Also entschied sich Kiesenhofer für einen neuen Weg: Sie kündigte ihren Job an der Universität und verschrieb sich ganz dem Radsport. 2023 absolvierte sie bei Israel-Premier Tech Roland ihre erste volle Saison in einem World-Tour-Team.

„Es war vieles unbekannt und auch herausfordernd: Das Fahren im Feld, das Team-Umfeld, in der Mannschaft zu arbeiten. Das war alles neu und sehr lehrreich. Der erste Teil der Saison war hart, auch mental. Die Resultate haben nicht gepasst, aber es gab viele Herausforderungen hinter den Kulissen, weil ich viele Rennen bestritten habe. In der zweiten Saisonhälfte waren es weniger Rennen, dann waren die Resultate besser“, bilanziert sie zwiegespalten, aber nicht unzufrieden.

„Wenn ich dabei bin, dann richtig“

Beim ÖOC-Trainingslager in der Gloria Sports Arena sucht Kiesenhofer auch die Nähe zu anderen Athlet:innen. „Es ist sehr spannend, Sportler:innen von verschiedenen Sportarten zu treffen. Ich finde den Austausch sehr bereichernd, normalerweise bin ich ja in der Rad-Bubble unterwegs“, war sie bereits mit den Ruder-Schwestern Magdalena und Katharina Lobnig sowie den Triathletinnen auf Rad-Tour. Abgesehen von unangenehmen Begegnungen mit Straßenhunden seien die Bedingungen auf den türkischen Straßen sehr zufriedenstellend.

„Es ist irrsinnig spannend. Es sind einige aerobe Sportarten hier, man sieht aus nächster Nähe, wie andere trainieren. Da kann man sich mit Sicherheit etwas abschauen“, so Kiesenhofer. „Ich wollte das erleben und dabei sein. Und wenn ich dabei bin, dann richtig.“

Das wird Kiesenhofer am Samstagvormittag unter Beweis stellen, wenn sie gemeinsam mit Christina Schweinberger eine Spinning-Session für das restliche Team Austria leiten wird. „Christina und ich sind schon ein bisschen nervös. Aktuell haben wir noch keinen Plan und es sieht nach Freestyle aus, aber da wir beide Streberinnen sind, werden wir uns noch etwas überlegen“, lacht sie.

Kein Bonus für Paris

Seit dem Olympiasieg im Straßenrennen in Tokio ist viel passiert. „Mein Leben hat sich extrem verändert. Ich habe meinen Job an der Uni aufgegeben, es dreht sich alles um den Radsport“, so Kiesenhofer. „Mehr hätte es sich eigentlich nicht verändern können, aber das ist sehr spannend. Nach Tokio hatte ich plötzlich tolle Möglichkeiten.“

Gleichzeitig blickt die in der Schweiz lebende Niederösterreicherin nach vorne, die Olympischen Spiele in Paris rücken in großen Schritten näher. „In Tokio wollte ich einfach mein Bestes geben und auf der großen Bühne zeigen, was ich kann. Das hat dann mit der Goldmedaille geendet. Ich möchte mir jetzt nicht zu große Hoffnungen machen und dann enttäuscht werden. Ich möchte einfach das Beste aus meinem Potenzial herausholen.“

Dabei hat Kiesenhofer noch keinen Fixplatz für Paris. Zwei Plätze haben Österreichs Radfahrerinnen erobert, neben der Olympiasiegerin schielen unter anderem auch die Schweinberger-Zwillinge Christina und Kathrin auf die beiden Paris-Tickets. Den Konkurrenzkampf scheut Kiesenhofer nicht. „Ich weiß noch nicht, wie die interne Qualifikation abläuft. Es ist richtig cool, dass wir alle auf dieses Ziel hinarbeiten. Dennoch gibt es eine Basis der Fairness und Sportlichkeit.“

Einen Bonus oder gar eine Sonderstellung als Olympiasiegerin will sie nicht: „Alle wollen, dass die beiden Besten fahren. Das will ich auch – wenn eine andere besser ist, will ich nicht in Paris fahren.“

Teamwork als wichtiger Faktor

Mit WM-Bronze hat Christina Schweinberger wohl die besten Karten. Der gegenseitige Respekt sei groß. „Es gibt keine, gegen die ich lieber verliere. Sie ist im Radsport viel polyvalenter als ich, in Sachen Bewegungsablauf kann ich viel lernen. Ich weiß gar nicht, was sie von mir lernen kann, aber der Austausch ist sehr gut.“

Die Strecken in Paris hat Kiesenhofer bereits analysiert. „Das Einzelzeitfahren ist nicht so spektakulär, flach und ein paar Kurven. Das Straßenrennen wird spannend, es gibt einige Anstiege. Die Taktik im Team muss man sich ansehen, wir vertreten dort ja auch Österreich“, hofft sie auf Teamwork.

Generell sei im Radsport in Österreich viel weitergegangen, egal ob Straße oder Mountainbike. „Ob mein Erfolg damit etwas zu tun hat, mag ich nicht beurteilen“, übt sie sich in Bescheidenheit. „Es ist jedenfalls toll, was sich im Radsport tut und welche Ergebnisse Österreichs Frauen abliefern. Es ist super, dass der Sport so im Aufschwung ist – und auch, dass die harte Arbeit belohnt wird.“

Eines steht fest: Im Leben von Anna Kiesenhofer ist in den letzten zwei Jahren viel passiert. Sie selbst sagt: „Man lernt immer Neues, gleichzeitig merkt man, wie viel man nicht weiß.“

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