Die gelungene Verbindung moderner Holzbauarchitektur mit industrieller Containerbauweise oder das nahezu perfekte Gesamtkonzept für ein temporäres hochalpines Hospitality Center. Schauplatz: zwei Tennisplätze der Gemeinde Sestriere/Italien. Idee/Planung/Realisierung: Österreichisches Olympisches Comité.
Citius, altius, fortius – nicht nur auf sportlicher Ebene; Olympia bietet auch in anderen Bereichen eine ideale Bühne der internationalen Leistungsschau auf höchstem Niveau. Anfang der Achtzigerjahre wurde bei Olympischen Spielen erstmals ein Österreich-Haus betrieben.
Damals haben nur wenige Nationen diesen organisatorischen wie finanziellen Mehraufwand auf sich genommen, um vorwiegend Gastfreundschaft zu zelebrieren. Bei den letzten Olympiaden haben kreative Marketingspezialisten diesen Ansatz auf breiter Ebene weiterentwickelt. Neuerdings werden die Nationenhäuser mit dem schmissigen Namen Hospitality Center bezeichnet und dienen als mediale Kommunikationsplattformen für Wirtschaft, Sport und Politik. Das Österreich-Haus blieb von dieser Entwicklung nicht unberührt und behauptet sich heute in führender Position hinsichtlich innovativem Konzept und zielorientierter Umsetzung.
Abgesehen von ein paar allgemein notwendigen Erkundungsreisen nach Turin und Sestriere beginnt die eigentliche Planung rund 200 Tage vor Eröffnung der Olympischen Spiele – eine sicherlich kurze Zeitspanne in Anbetracht der Aufgabenstellung. Zunächst sichert man sich vertraglich ein Benützungsrecht eines Areals von zwei Tennisplätzen mit guter Lage und Aussicht auf die alpinen Austragungsstätten und entschließt sich – nachdem mit dem Tourismusverband Bischofshofen ein kongenialer Partner gefunden wurde – exakt fünf Monate vor einer offiziellen Hauseröffnung ein eigens geplantes Holzhaus mit Containeranbau zu realisieren.
Das Gesamtkonzept beinhaltet ein modern gestyltes Holzhaus – mit den Teilkonzepten Gastwirtschaft, Olympic Club, TV-Studio sowie drei Sponsorbereichen (Telekom Austria Internetportal und Pressebereich, Sonderpostamt, Generali Wellnessbetreuung) – und eine integrierte 19-teilige Containerlandschaft für Küche, Sanitär sowie Büro- und Lagerraum (ORF Technik und Redaktion; ÖOC Gästebetreuung, Fuhrpark, Olympiabewerbung Salzburg 2014, Hausleitung).
Liefer- und Aufbaubeginn ist der 09. Jänner 2006; die Fertigstellung und Hausübergabe an das ÖOC erfolgt keine drei Wochen später. Die verbleibenden zehn Tage bis zur Hauseröffnung sind mit Adaptionsarbeiten ausgefüllt – große Kälte und Neuschneemengen erschweren diese Tätigkeit.
Die Eröffnung des Österreich-Hauses gelingt ebenso erfolgreich wie pünktlich am 09. Februar 2006, obwohl noch zwei Stunden vor Eröffnung ein akutes Wassergebrechen sowohl im Sanitär- als auch im Küchenbereich die Situation dramatisch spannend werden ließ. Die 15-tägige Show beginnt. Grundsätzlich täglicher Betrieb von 10.00 bis 24.00 Uhr – ebenso grundsätzlich dauert es täglich zumindest um zwei Stunden länger.
Neben der Eröffnungs- und Abschlusskonferenz finden im Haus vier weitere internationale Pressekonferenzen statt. Im besonderen Glanz erstrahlt das Haus bei insgesamt fünf Groß-Abendveranstaltungen und naturgemäß bei den aufgrund der sportlichen Erfolge heimischer Athleten fast allabendlichen Medaillenfeiern.
Zahlreiche Ehrengäste und hohe Prominenz werden im Österreich-Haus begrüßt. Erstmals in der Geschichte der Olympischen Spiele besuchen sowohl Bundespräsident als auch Bundeskanzler das österreichische Team bei Spielen im Ausland. Mehrere Mitglieder des Internationalen Olympischen Comités erleben mit einem Besuch im Haus österreichische Geselligkeit und traditionell alpines Holzhausflair, was im Zuge der laufenden heimischen Olympiabewerbung Salzburg 2014 besonders wertvoll erscheint. Nicht nur die Fangruppen österreichischer Olympiastarter benutzen die klassischen Almhütten-Accessoires vor dem Haus: die geräumige Holz-Sonnenterrasse und die stilgemäße Punschhütte. Das Österreich-
Haus wird geradezu gestürmt. An manchen Tagen wollen 800 statt kalkulierte 350 Personen das Haus von innen sehen und die qualitativ hochwertigen Speisen von DO&CO testen.
Am 24. Februar 2006 endet das Österreich-Haus-Spektakel. Der Gesamtbaukomplex verbleibt allerdings noch weitere drei Wochen in Sestriere, um auch während der Paralympischen Spiele als österreichisches Hospitality Center zu dienen. Diese Kooperation zwischen ÖOC und Österreichischem Paralympischen Committee wurde erstmalig eingegangen und wird aufgrund des großen Erfolges nach Möglichkeit bei den nächsten Spielen wiederholt werden.
Ende März erinnert bei den beiden Tennisplätzen nichts mehr an ein Österreich-Haus; die wertvolle Fracht befindet sich wieder am Ausgangspunkt des Abenteuers in Bischofshofen, wo es seiner Endverwendung an der Paul-Außerleitner-Skisprungschanze zugeführt wird – als Kultur- und Veranstaltungshaus. Das Österreichische Olympische Comité hat wie schon zuletzt bei den Spielen in Athen 2004 im internationalen Vergleich der Hospitality Centers – so sind sich alle Besucher des Österreich-Hauses einig – eine weitere Medaille für Österreich errungen.
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